KiO hilft: Eine Auszeit von den Sorgen

03. Juni, 2016

Sie sollten gemeinsam etwas Schönes erleben - das war die Idee, mit der eine Klinikmitarbeiterin uns von Johannes‘ Familie erzählte. Der Achtjährige wurde als Baby nierentransplantiert und ist auf den Rollstuhl angewiesen.

Johannes (Name geändert) ist, nachdem er einmal wiederbelebt werden musste, auf den Rollstuhl angewiesen, leidet an spastischen Anfällen und kann auch nicht allein auf die Toilette gehen. Die Mutter hat ihren Beruf aufgegeben und kümmert sich zu Hause um Johannes und seine zwei älteren Brüder. Zudem hilft eine Pflegekraft.
Die Belastung ist groß, und mit dem Vater, einem technischen Angestellten, als Alleinverdiener ist auch der finanzielle Spielraum beschränkt. Die Lage verschärfte sich im vergangenen Jahr, als die Krankenkasse überraschend ankündigte, die Pflegestunden kürzen zu wollen.

Um die Familie die wachsenden Probleme ein paar Tage lang vergessen zu lassen, arrangierte KiO ihre Teilnahme an einer der komplett kostenfreien erlebnispädagogischen Freizeiten des Hilfevereins im Sommer im thüringischen Teistungen. Allerdings war das gar nicht so einfach. Denn damit die Eltern und auch die elf und 14 Jahre alten Geschwister sich wirklich einmal eine Pause gönnen und das Gefühl genießen konnten, sich nicht dauernd um Johannes kümmern und sorgen zu müssen, sollte die Pflegekraft, die den Jungen seit Jahren betreut und deshalb mit ihm sehr vertraut ist, die Familie an den vier Tagen begleiten.

Da musste viel organisiert werden. KiO stand in der Vorbereitung ständig mit der Familie, der Klinik, dem heimischen Pflegedienst und dem Hotelbetrieb in Kontakt. „Uns war es wichtig, die Familie aus der Schusslinie zu nehmen“, erläutert KiO-Mitarbeiterin Gisela Erhard. Die Pflegerin verzichtete sogar auf einen Teil der ihr zustehenden Zahlungen. Auch ihr lag es am Herzen, dass die Familie diese Auszeit bekam. Erst eine Woche vor Beginn des Seminars war mit der Krankenkasse alles geregelt.

Es sollte sich in jeder Hinsicht lohnen: Johannes, ein aufgeschlossener Junge, der mit seiner Lebensfreude andere ansteckt, genoss gemeinsam mit seinen Brüdern die spannenden Outdoor-Erlebnisse, bei denen er mittendrin und nicht nur dabei war. In einer größeren Gruppe wurde etwa ein Floß gebaut, auf dem auch er mit seinem Rollstuhl Platz fand und über das Wasser getragen wurde. Beim Klettern war er trotz seiner Behinderung ebenfalls mit Begeisterung dabei, während seine Brüder auch mal selbst an ihre Grenzen gehen durften, ohne immer auf den Jüngsten Rücksicht nehmen zu müssen.

Die Eltern tauschten sich derweil bei einem Workshop mit Gleichgesinnten aus und konnten sich währenddessen darauf verlassen, dass es ihrem Sohn gut ging, obwohl sie ihn nicht immer selbst im Blick hatten. Der Kontakt zwischen der Familie und KiO ist nach den vier Seminartagen nicht abgerissen. KiO berät sie bei sozialrechtlichen Fragen, schenkt ein offenes Ohr, und in einigen Jahren werden Johannes und seine Familie zum KiO-Seminar für Jugendliche eingeladen. Auch dann wird eine kleine Auszeit von den Sorgen sicher richtig gut tun. Katja Sturm


Johannes bei der KiO-Freizeit