„Die unglaublich wichtige Peripherie der Betreuung“

17. Mrz, 2017

Der Verein Kleine Herzen Hannover e.V. – Hilfe für kranke Kinderherzen hatte die Spieloase für den Helmut-Werner-Preis vorgeschlagen. Die Vereinsvorsitzende Ira Thorsting hielt eine bewegende Laudatio über die Erzieherinnen, über Menschen in der „unglaublich wichtigen Peripherie der Betreuung“. Wir haben die Laudatio in kompletter Länge in Wort und Bild dokumentiert:

„Ein Preis wird vergeben, und in seinem Symbol hat das Herz einen ganz wichtigen, zentralen Platz. Das muss der Vorsitzenden eines Vereins namens ‚Kleine Herzen Hannover - Hilfe für kranke Kinderherzen‘ gefallen. Das Herz, die Herzlichkeit steht im Mittelpunkt!

Andererseits: Der Hochleistungsmedizin, wie sie zum Beispiel an der Medizinischen Hochschule Hannover praktiziert wird, wird nachgesagt, dass sie zwar den Patienten hilft zu überleben, zu gesunden, wieder auf die Beine zu kommen, dass sie aber oft herzLOS daherkomme. Dem möchte ich in aller Deutlichkeit widersprechen! Es gibt nämlich nicht nur kalte Technik, Ärzte, die in einem Universum des Fachwissens weit über den Gefilden der Patienten schweben, Pflegekräfte, die ständig daran denken, wie sie bei steigendem Leistungs- und Zeitdruck alle Aufgaben erledigen können. Da gibt es auch das große menschliche Engagement aller, denen wir in der Klinik begegnen. Und es gibt die unglaublich wichtige Peripherie der Betreuung. Menschen wie die Erzieherinnen der Spieloase in der Kinderklinik der MHH, die heute hier gewürdigt werden.



Jeden Tag sind zwei von ihnen auf den Stationen unterwegs. Nicht nur, um schwerst kranken Kindern ein wenig Unterhaltung, ein wenig Ablenkung zu bieten. Sondern, um ihnen das Lachen wiederzugeben, den Lebensmut. Zwei weitere bleiben in der Spieloase. Basteln, malen, backen, SPRECHEN mit denen, die noch oder wieder mobil sind. Kümmern sich auch um gesunde Geschwister, die zuvor allerdings von einem Arzt untersucht wurden, damit sie keine Infektionen einschleppen. Das ist ihr Beruf, werden Sie vieleicht sagen. Dafür werden sie bezahlt. Ja, aber war es auch ihr Job, dass sie eigene Spendenaktionen starteten, um den tristen Innenhof der Kinderklinik zu einem fröhlich bunten Piratenland zu machen? Dass sie jedes Jahr ein Riesensommerfest und viele andere Feste organisieren? Dass sie 2016 - na gut, auch mit ein wenig finanzieller Unterstützung der "Kleinen Herzen" - die Eingangshalle der Kinderklinik mit ihrer einst wenig einladenden Wartezone in eine helle Wasserwelt mit lebenden Fischen und sonnigen Strandbildern verwandelten? Nein, das war ganz persönlicher, unbezahlter und unbezahlBARER Einsatz. Und den muss man als gutes Beispiel auszeichnen!

Ich will Ihnen zum Schluss eine kurze Geschichte erzählen. Von einem kleinen Mädchen, das dreieinhalb Jahre auf der Kinderintensivstation der MHH lebte, ohne noch einmal nach Hause zu können. Alina brauchte ein neues Herz und eine neue Lunge. Und sie hat den Kampf am Ende verloren. Für die Eltern aber blieben auch gute Erinnerungen. Der Vater, der sich selbst emotional nicht in der Lage sah, heute vor Ihnen zu sprechen, hat mir ein paar Sätze mitgegeben:

‚Vom ersten Tag an war die Spieloase ein Ort, der unserer Tochter unwahrscheinliche Abwechslung und Freude geboten hat. Ein Lachen, das auch den Eltern immer sehr viel Kraft zurückgab. Es war schön, sein Kind in vertrauter, liebevoller Beschäftigung zu wissen, während man für einige Zeit dem Stationsalltag entfliehen und durchatmen konnte. Rückblickend können wir sagen, dass die liebevolle Betreuung durch die Spieloase einen großen Teil dazu beigetragen hat, unserer Tochter den Alltag auf der Intensivstation erträglich und sie zu dem wundervollen Menschen zu machen, der sie war.‘

Ich habe dem nichts hinzuzufügen.“