KiO beim DSO-Kongress

10. November, 2017

Eine Premiere, ein besonderer Rahmen und eine Ehre: Unsere 13te Helmut-Werner-Preisverleihung war eingebettet in die Abendveranstaltung beim 13ten Kongress der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Sogar Thomas Reumann (Foto), der Präsident der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft, erwähnte das in seiner Festrede: „Ein sehr schönes Zeichen.“ Doch es gab auch schlechte Nachrichten, die das KiO-Team bei seinem Kongressbesuch am Morgen hörte.

Denn im Zentrum dieser jährlichen Zusammenkunft der Transplantationsbeauftragten und Transplantationsmediziner in den deutschen Kliniken und Krankenhäusern stand ein weniger schönes Thema: der verschärfte Organmangel in Deutschland. Die DSO fordert deshalb einen gemeinschaftlichen Initiativplan zur Förderung der Organspende.

„Wir sind auf dem niedrigsten Stand der Organspendezahlen der letzten 20 Jahre angekommen. Von Jahr zu Jahr kann weniger Patienten mit einer Transplantation geholfen werden“, berichtete der medizinische DSO-Vorstand Dr. Axel Rahmel. Im laufenden Jahr erwartet die bundesweite Koordinierungsstelle ein Minus von mehr als 1.500 Organen gegenüber 2010. Die Gründe liegen laut DSO nicht in einer abnehmenden Spendebereitschaft der Bevölkerung. Allerdings weisen Analysen aus der Zusammenarbeit mit den Kliniken auf strukturelle als auch organisatorische Schwachstellen hin. So gab es in den vergangenen Jahren weniger Meldungen von möglichen Organspendern aus den Kliniken. Diese Zahlen haben sich in diesem Jahr erstmals wieder stabilisiert.

Ein zentraler Schlüssel, über den eine zügige und nachhaltige Verbesserung der Situation erzielt werden könnte, so die DSO, liegt insbesondere in einer Berücksichtigung des Willens zur Organspende im Zuge von Behandlungsstrategien am Lebensende. Auswertungen weisen darauf hin, dass es bei Intensivpatienten häufig bei hoffnungsloser Prognose zum Abbruch einer Therapie kommt, ohne dass die Möglichkeit einer Organspende überhaupt erwogen wurde. DSO-Vorstand Rahmel: „Wir müssen die Voraussetzungen schaffen, damit in den Kliniken mehr an Organspende gedacht und die Frage nach Organspende zu einem selbstverständlichen Bestandteil der Versorgung am Lebensende wird.“

Auch die Rolle der Transplantationsbeauftragten, Schnittstelle zwischen den Krankenhäusern und der DSO, müsse gestärkt werden. Zudem sei ein Grund für die Zurückhaltung der Kliniken gegenüber der Organspende neben der zunehmenden Arbeitsverdichtung auf den Intensivstationen auch der wachsende wirtschaftliche Druck, wie der kaufmännische DSO-Vorstand Thomas Biet skizzierte. Angesichts der Vielschichtigkeit des Themas fordert die DSO einen „strategisch ineinandergreifenden Plan mit klar definierten Schritten, der von allen Partnern aktiv unterstützt wird“, wie Rahmel herausstellte. „Die Zeit der Einzelinitiativen ist vorbei.“