21.08.2021Aktuelles

Die Laudatio für Hartwig Gauder

Wir dokumentieren die Laudatio des KiO-Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Wilhelm Gäb für Hartwig Gauder, den posthumen Helmut-Werner-Preisträger 2020. 

 

Gehalten am 14. August 2021 im Golfclub Drei Gleichen Mühlberg zur Preisübergabe im Rahmen des Hartwig-Gauder-Benefiz-Golfturniers:

„Wir verleihen heute den Helmut-Werner-Preis, die höchste Auszeichnung, die es in Deutschland für Menschen gibt, die für die Rettung anderer durch eine Organtransplantation gekämpft haben.

Der Preis geht an Hartwig Gauder, dem zu Ehren wir heute hier alle zusammengekommen sind und dem wir diese Ehrung so gern zu Lebzeiten überreicht hätten.

Sie alle haben Hartwig gekannt, und deswegen muss ich hier nur Weniges über ihn sagen.

Ich war 1995 nach einer Lebertransplantation etwa ein Jahr aus der Charite raus und trug mich mit dem Gedanken an eine Initiative von Spitzensportlern zur Unterstützung der Organspende und der Wartepatienten. Ich selbst hatte vier Jahre auf meine Transplantation gewartet. Über meine vagen Pläne hatte ich mit einer Presseagentur gesprochen.

Da bekam ich plötzlich einen Anruf, und Olympiasieger Hartwig Gauder war am Apparat: „Hallo Herr Gäb, mein Name ist Gauder, ich habe auch mit Sport zu tun, liege nach einer Herztransplantation noch in der Klinik und habe von Ihren Plänen gehört. Aber wenn ich rauskomme, kann ich dann bei Ihnen mitmachen?“ Hartwig hatte vor seiner Transplantation länger als ein Jahr durch ein künstliches Herz überlebt.

Sein Anruf war der Start zu einer fast 25-jährigen Freundschaft und Zusammenarbeit in den Vereinen Sportler für Organspende, VSO, und der von uns später, 2004, gegründeten Kinderhilfe Organtransplantation, KiO, die sich mittlerweile unter dem Namen Kinderhilfe Organtransplantation – Sportler für Organspende zusammengeschlossen haben.

Als er anläutete, kannte ich nur seinen Namen, wusste, dass er bei Olympia die Goldmedaille im 50-Kilometer-Gehen gewonnen hatte, aber mehr eben nicht. Hartwig holte seine großen Siege ja, als wir noch ein geteiltes Land waren.

Aber mir war klar: Ein Mann, der sich so hart gegen sich selbst sein kann und 50 Kilometer Wettkampf durchhält, muss eine riesige mentale Stärke haben, einen unglaublichen Kampfgeist und muss eine besondere Persönlichkeit sein.

Hartwig hat diesen Kampfgeist auch nach dem aktiven Sport gezeigt, vor allem auch in den letzten Phasen seines Lebens, als er mit ungeheurem Mut gegen seine gesundheitlichen Probleme anging, an unserer Seite blieb und sich keine Schwäche anmerken ließ.

All das, was ich anfangs von Hartwig erwartet hatte, war in der Realität dann da, und noch viel, viel mehr: Zuverlässigkeit und Intelligenz und Humor, Sachkenntnis und Kompetenz, Kommunikations- und Überzeugungskraft, Sinn für Kameradschaft und vor allem natürlich ein großes Herz für andere Menschen, für ihr Leid und ihre Not in der Krankheit.

Wir nannten Hartwig unseren Außenminister.

Wir wussten, dass er unsere Sache auf allen politischen und sportlichen Ebenen gut vertreten konnte. Er hatte in vielen Bereichen ein profundes Wissen und war, unterstützt durch seine Frau, die Medizinerin Dr. Marion Gauder, fähig, mit Medizinern und Politikern auf Augenhöhe zu sprechen.

Seine Ehrungen durch die Deutsche Transplantationsgesellschaft und die Deutschen Stiftung Organtransplantation wurden eindrucksvolle Beweise dafür.

Er war als Weltmeister und Olympiasieger ein Türöffner, der mit seinem Charisma viele prominente Persönlichkeiten von unserer Sache überzeugte und für eine Unterstützung unserer Vereinsarbeit gewann.

Hartwig war in vielen Bereichen des Lebens ein Kenner und Könner. Aber vor allem war er uns immer ein ehrlicher und feiner Kamerad.

Hartwig Gauder bleibt in unserer Erinnerung ein Mann, der jahrzehntelang um seine eigene Gesundheit kämpfen musste und doch noch stark genug war, anderen Menschen Halt im Leben zu geben.“