Pressemitteilung

17.01.2019

Mehrheit der Deutschen ist für die erweiterte Widerspruchslösung

Umfrage von Sportler für Organspende und Kinderhilfe Organtransplantation

Für eine Mehrheit der Bundesbürger ist die erweiterte Widerspruchslösung die beste Option für die Organspende in Deutschland. In einer repräsentativen Online-Umfrage des Erfurter Instituts INSA-CONSULERE für die Vereine Sportler für Organspende e.V. und Kinderhilfe Organtransplantation e.V. sprachen sich 46 Prozent der Befragten für diese Lösung aus. Sie bedeutet, dass jeder als Organspender gilt, es sei denn, er widerspricht dem ausdrücklich. Für die derzeit in Deutschland geltende erweiterte Zustimmungslösung (niemand ist Organspender, es sei denn, er stimmt dem ausdrücklich zu) sind 35 Prozent der Deutschen. 12 Prozent der Befragten waren unschlüssig oder machten keine Angaben, 7 Prozent halten weder die erweiterte Widerspruchslösung noch die erweiterte Zustimmungslösung für eine Option, die in Deutschland bei der postmortalen Organspende gelten sollte.

Die Mitte Dezember unter mehr als 1.000 Personen ab 18 Jahren durchgeführte Umfrage für die Hilfevereine untersuchte auch die Ansichten in den verschiedenen Wählergruppen. Vor allem unter den Wählern der Grünen (62 zu 25 Prozent) und der FDP (57 zu 33 Prozent) gilt die erweiterte Widerspruchslösung als die beste Option. Auch die Wähler von CDU (46 zu 35 Prozent) und SPD (45 zu 39 Prozent) favorisieren diese Lösung gegenüber der erweiterten Zustimmungslösung. Linke-Wähler zeigen sich unentschlossen zwischen den beiden Optionen: Während sich 44 Prozent für die erweiterte Zustimmungslösung aussprechen, befürworten 41 Prozent die erweiterte Widerspruchslösung. Lediglich die Wähler der AfD sprechen sich mit einer deutlichen relativen Mehrheit für die derzeit geltende erweiterte Zustimmungslösung aus (48 zu 38 Prozent).

Hartwig Gauder, Vorstandsmitglied von Sportler für Organspende und Kinderhilfe Organtransplantation, sagt: „Die Widerspruchslösung ist keine Zwangslösung. Die Bürgerinnen und Bürger könnten wie bereits in 18 anderen europäischen Ländern ihre demokratische Freiheit nutzen, entweder Ja oder Nein sagen. Freiheit ist, wenn man widersprechen kann. Unsere Untersuchung zeigt, dass eine Mehrheit der Deutschen dies genauso sieht wie wir. Deswegen fordern wir die Bundestagsabgeordneten auf, in der aktuellen Diskussion um die Organspende für die Widerspruchslösung einzutreten.“ Bereits im September 2018 hatten sich prominente Sportler für Organspende unter der Überschrift „Stoppen Sie den Tod auf der Warteliste!“ in einem offenen Brief an die Mitglieder des deutschen Bundestags gerichtet.

Mehrheitlich (64 Prozent) stimmen die Deutschen nach der INSA-Befragung zu, dass es künftig keinen separaten Organspendeausweis geben sollte, sondern dass die Bereitschaft zur Organspende auf den Ausweisdokumenten vermerkt sein sollte. Die Zustimmung für diese aktuell von Bundestagsabgeordneten parteiübergreifend vorgeschlagene Variante fällt bei SPD- (76 Prozent), Grünen- (75 Prozent) und FDP-Wählern (73 Prozent) etwas höher aus als bei den anderen Wählergruppen. Wähler der CDU stimmen hier noch zu 69 Prozent und Linke-Wähler zu 63 Prozent zu. Am geringsten fällt die Zustimmung bei AfD-Wählern (55 Prozent) aus.

Trotz vielfältiger Informationskampagnen von Bund und Krankenkassen in den vergangenen Jahren fühlen sich nur 60 Prozent der Befragten gut informiert zum Thema Organspende. Dabei zeichnet sich eine Tendenz ab: je jünger, desto weniger im Bilde. Nur knapp die Hälfte der 18- bis 29-Jährigen (48 Prozent) fühlt sich zum Thema Organspende gut informiert.

Hier Download der kompletten Umfrageergebnisse

< Zur Übersicht