Sport an der Dialyse für Kinder und Jugendliche

16. Februar, 2010

Prof. Dr. Bernd Hoppe von der Kindernephrologie der Uniklinik Köln berichtet jetzt auf der KiO-Webseite über ein Ausdauer-orientiertes Trainingsprogramm für Kinder und Jugendliche mit chronischer Niereninsuffizienz:

Die Zeit an der künstlichen Niere sollte für die Kinder und Jugendlichen immer möglichst sinnvoll gestaltet werden. Wertvolle Hilfe leistet dabei das ganze Kinderdialyseteam, also neben den Ärzten vor allem die Dialyseschwestern und -pfleger, eine Sozialarbeiterin sowie Lehrer und ein Psychologe. Eine solche Betreuung ist seitens der Dialyserichtlinien vorgeschrieben, die jungen Menschen müssen sich ja noch entwickeln und sie brauchen Unterstützung, damit ihnen in Schule oder Ausbildung keine Nachteile entstehen. Die Möglichkeiten sind beinahe unbegrenzt: so kann auch am Computer gelernt oder im Internet gesurft werden. Es werden Hausaufgaben gemacht, Bilder gemalt, die Kliniksclowns kommen zu Besuch, und wir bemühen uns um eine Rundumbetreuung. Das heißt, wir helfen auch in Schul- oder Ausbildungsfragen. Gemeinsam mit dem Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation (KfH) bieten wir aber auch spezielle, die Nierentransplantation vorbereitende interaktive Computerprogramme an und nutzen auch das KfH-Programm „Erwachsen werden“ intensiv, um die Jugendlichen adäquat auf ihr Leben als alleinverantwortliche Erwachsene vorzubereiten. Zu erwähnen ist hier auch das Pilotprojekt „Psychosoziale Qualitätssicherung in der Kinderdialyse“. Hier soll durch integrative psychosoziale Betreuung aufgezeigt werden, dass eine positive Entwicklung für unsere Patienten erreicht werden kann.

 

Glücklicherweise helfen uns bei all den Aktivitäten auf der Kinderdialyse aber auch Vereine wie etwa die Renniere e.V. (www.renniere.de). Die Renniere setzt sich zum Ziel, chronisch dialysepflichtigen Kindern und Jugendlichen die Zeit an der Dialyse so effektiv wie nur eben möglich zu gestalten. Dazu gehört seit 2009 auch das Projekt „Sport an der Dialyse“.

 

Sport an der Dialyse

Hämodialyse-Patienten treiben in der Regel nur wenig Sport und ihre Leistungsfähigkeit ist meist niedrig. In Studien an erwachsenen Dialysepatienten wurden aber eine ganze Reihe positive somatische als auch psychische Effekte durch sportliche Betätigung während der Dialyse nachgewiesen. Es konnte unter anderem eine deutliche Verbesserung der Leistungsfähigkeit, eine Verbesserung des Blutdrucks bzw. eine Reduktion der notwendigen Blutdruckmedikation, eine wesentlich gebesserte Ernährungssituation sowie eine signifikante Steigerung der Lebensqualität belegt werden. Wichtig sind außerdem die Veränderungen, die neben den kontinuierlichen Effekten bei einem sportlichen Training während der Dialyse auftreten. So konnte ebenfalls eine verbesserte (Harnstoff-)Dialysance, das heißt bessere Entfernung von Schlackenstoffen, gezeigt werden.

 

Hieraus ergeben sich natürlich auch signifikante Hinweise für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen. Die Datenlage in dieser Patientenpopulation ist allerdings dünn. So führten wir unterstützt von der Renniere und mit Hilfe des Instituts für Rehabilitation der Deutschen Sporthochschule eine Pilotstudie durch, um durch ein ausdauerorientiertes Trainingsprogramm die körperlichen Voraussetzungen unserer Dialysepatienten für den weiteren Verlauf ihres Lebens mit einer chronischen Niereninsuffizienz kurzfristig, aber auch langfristig zu verbessern. Dazu gehörte zum einen eine Leistungsdiagnostik vor und nach einer Beobachtungsphase. Zudem eine 12-wöchigen Sport-Interventionsphase, während der die Patienten ein 30- bis 40-minütiges Fahrradergometertraining während der ersten zwei Stunden der Dialyse durchführten (siehe Fotos). Als Ergebnis der Einstiegsuntersuchungen zeigte sich eine massive Abnahme der Leistungsfähigkeit nach Hämodialyse und eine deutlich reduzierte körperliche Belastungsfähigkeit unserer Patienten gegenüber Gleichaltrigen.

 

Insgesamt wurde das Training während der Dialyse sehr gut und ohne wesentliche Nebenwirkungen vertragen und brachte eine neue und bis dahin ungeahnte Möglichkeit, die Dialysezeit abwechslungsreicher zu gestalten. Wir konnten nach der dreimonatigen Interventionszeit aufzeigen, dass wir die Leistungsfähigkeit und auch die Lebensqualität der Patienten deutlich steigern konnten. Seither gehört das Fahrradergometertraining zum festen Bestandteil jeder Hämodialyse für die meisten unserer Patienten. Im Anschluss an diese Pilotstudie ist eine langfristige Multicenterstudie geplant, um den Nutzen dieser Therapieoption zu belegen und sie dauerhaft in die Behandlung von Kindern und Jugendlichen an der Hämodialyse zu implementieren.

 

Mehr Informationen und Kontakt: www.kindernephrologie-koeln.de