Erfolg für Uniklinik Heidelberg

15. April, 2011

Im Universitätsklinikum Heidelberg wurde zum 500. Mal einem Kind eine Niere transplantiert. Die kleine Rebekka (im Bild mit ihren Eltern) erhielt im Alter von 22 Monaten ein Organ ihres Vaters.

Ohne das Pflaster auf ihrer Wange und die Sonde in der Nase würde man es nicht für möglich halten, dass Rebekka erst vor zwei Wochen eine neue Niere erhalten hat. Das 22 Monate alte Mädchen läuft über den Flur in der Kinderklinik des Universitätsklinikums Heidelberg, stürzt sich auf ein Dreirad und macht auch sonst einen munteren und aufgeweckten Eindruck. Der Tag, an dem Rebekkas Vater Tobias seiner Tochter eine neue Niere und damit ein neues Leben spendete, war auch für das Transplantationszentrum des Klinikums ein besonderer Tag. Die Heidelberger Ärzte haben zum 500. Mal einem Kind oder Jugendlichen eine Niere übertragen.

Wann ist eine Nierentransplantation in diesem Alter erforderlich? „Bei Kindern und Jugendlichen sind etwa 60 Prozent der Nierenerkrankungen, die zum chronischen Versagen des Organs führen, angeboren. Meist handelt es sich um Fehlbildungen der Nieren und ableitenden Harnwege“, erklärt Professor Burkhard Tönshoff, Leitender Oberarzt der Klinik für Kinderheilkunde I und Leiter des pädiatrischen Nierentransplantationsprogramms.

So war es auch bei Rebekka. Mutter Mirjam erinnert sich: „Bereits in der Schwangerschaft ahnten die Ärzte, dass etwas nicht in Ordnung ist. Das Ultraschallbild zeigte nur eine Niere.“ Nach der Geburt stellte sich heraus, dass diese viel zu klein war und nicht funktionierte – Rebekka war von ihrem fünften Lebenstag an auf die Dialyse angewiesen. Fast zwei Jahre wurde das Leben der Familie auf den Kopf gestellt – bis Rebekka alt genug war und operiert werden konnte. „In der Regel kann Kindern ab einem Gewicht von acht bis zehn Kilogramm, entsprechend einem Alter von ein bis zwei Jahren, eine Niere transplantiert werden – in Ausnahmefällen auch noch früher“, sagt Professor Jan Schmidt, Leiter der Sektion Viszerale Organtransplantation der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg.

Die Ärzte entschieden sich gemeinsam mit der Familie für eine Lebendspende, bei der Vater Tobias als Spender fungierte. Zuvor wurden Blutgruppenverträglichkeit und Fehlen bestimmter Antikörper beim Kind sowie der Gesundheitszustand des Vaters gecheckt. „Eine Lebendspende ist bei einem Kind die optimale Lösung. Lange Wartezeiten entfallen und die Transplantation ist zeitlich sehr gut planbar“, führt Professor Schmidt die Vorteile gegenüber der Spende von Verstorbenen auf. Ein weiterer Pluspunkt: Die Nierenentnahme erfolgt, während das Kind parallel bereits zur Transplantation vorbereitet wird. Während bei einer Verstorbenenspende die Niere oft viele Stunden zum Empfänger transportiert und nicht optimal mit Blut und Nährstoffen versorgt wird, beträgt die Zeitspanne bei einer Lebendspende nur ca. 90 bis 120 Minuten. „Diese Vorteile führen in der entscheidenden Entwicklungsphase des Kindes zu einer besseren Nierenfunktion und einer längeren Überlebenszeit des transplantierten Organs, die 20 Jahre und mehr betragen kann“, so Professor Tönshoff.

Für Vater Tobias war es selbstverständlich, dass er sich als Spender zu Verfügung stellte. Genau wie seine Tochter Rebekka war der 35-Jährige schon wenige Tage nach der Operation wieder wohlauf. Jetzt freut sich die Familie auf die Zeit zu Hause – ohne nächtliche Dialyse. Und Schwester Johanna, dreieinhalb Jahre alt, ist froh, dass sie endlich mit Rebekka in einem Zimmer schlafen darf. „Dies war wegen der Dialyse und dem steril durchzuführenden Verbandswechsels an ihrem Bauch nicht möglich“, erklärt der Vater.

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist das größte Kinder-Transplantationszentrum in Süddeutschland. Bereits 1969 erfolgte hier die erste Nierentransplantation. Das Zentrum führt jährlich etwa 20 Nieren- und zwölf Lebertransplantationen bei Heranwachsenden durch; in den Nachsorgeambulanzen werden ca. 130 Kinder nach Nierentransplantation und ca. 100 Kinder nach Lebertransplantation betreut.